Waffen und Ausrüstung der römischen Armee

Die Ausrüstung eines Legionärs besteht aus Caligae (Soldatenschuhe) , Untertunika, Tunika, Focale (Halstuch), einem Sagum (Mantel), Rüstung (Ketten-, Schienen- oder Schuppenpanzer), Cingulum (Gürtel) und Pugio (Dolch).
Das Gladius (Kurzschwert) wird an einem separatem Umhängegürtel getragen, dem sog. Balteus.
Der Helm
(Cassis) wurde zu Parade und Soldausgabe mit einem Helmbusch verziert. Der Scutum (grosse Rechteckschild), das zum Schutz vor Feuchtigkeit  in der "Tegimenta" (lederne Hülle) getragen wurde und dem Pila (Wurfspiess) vervollständigte die Grundsausrüstung eines jeden Legionärs.
Für seine wenigen persönliche Habseligkeiten (z.B. Löffel (ligula), Messer (cultellus), Hämmerchen (malleus), Holzkamm (pecten), Riemen, Öllampe aus Ton (lucerna), Oliven-Öl (oleum), Geld)
hatte er eine lederne Tasche (Pera) die er stets mit sich führte. Diese Tasche wurde zusammen mit einem  Proviantnetz (reticulum) für die Lebensmittel, Mantelsack, seiner Feldflasche (Ampulla) und seinem Kochgeschirr, bestehend aus Bronzeeimer (situla) und Bronzekasserolle (patera), ein Mehrzweckgeschirr das man zum Schöpfen von Flüssigkeiten, als Trinkgefäß, als Kochtopf, Pfanne oder Backform, an der sog.  "Furca", dem hölzernen Tragegestell des Legionärs befestigt. Dieses Gepäck wurde aber im Falle eines Eilmarsches, der nur mit dem allernotwendigsten (also nur die Waffen) durchgeführt wurde, im Lager zurückgelassen.
Um sich gegen das kalte Wetter diesseits der Alpen zu schützen, wurde im Mantelsack ein paar Hosen (Feminalia), Socken (Tibialia) und ein wetterfester Mantel, die Paenula mitgetragen.

Somit trug jeder an
Kleidung, Waffen, Rüstung  ca.   29,4 kg (wurden am Körper verteilt, was das Gewicht erträglicher macht)
Marschgepäck                           ca.    18,5 kg
Gesamt                                          ca.    47,9 kg 

Legionär

Reiter-Soldat

Hilfstruppensoldat

Bekleidung

Schuhe caligae
Die Caliga war eine überaus robuste Sandale aus starkem Rindsleder das an den Sohlen mit 80-90 Eisennägeln besetzt war. Man geht davon aus, das sie sich aus einen in Streifen geschnittenen Lederschuh entwickelt hat.
Sandalen statt geschlossene Schuhe zu tragen hat entscheidene Vorteile, der Fuss ist gut belüftet und schwitzt daher nicht, Blasenbildung wird verhindert. Desweiteren trocknet die Caliga schnell und man kann auch mal problemlos einen Fluss durchwarten (der Legionär hatte ja nur dieses eine Paar Schuhe!). Für sehr kalte Gefilde wie Germanien oder Britannien gab es eine Mischung aus Strumpf und Garmasche, die sogenannte tibialia (nach tibia, das Schienbein).
Die "Caligae" werden Ende des 1. Anfang des 2.Jh. n. Chr. teilweise durch einen geschlossenen "Calceus" ersetzt.

Die Tunica war das Grundkleidungsstück aller Römer, Zivilisten wie Soldaten. Am besten kann man die Tunica mit einen überlangen T-Shirt vergleichen, dass bis zu den Knien, oder bei Zivilisten auch darüber geht. Der Legionär trug gewöhnlich zwei Tuniken, eine leinene Untertunika und eine aus rotem, gewalgtem Wollstoff bestehende Obertunika. Die Untertunika erfüllt die Funktion der Unterwäsche, da Leinen hautfreundlich, kühlend, weich und Schweiß bindent ist. Die robusten Wolltuniken wärmten vortrefflich und schützen vor Prellungen im Gefecht

Mantel Paenula
Dieses, auch von der Zivilbevölkerung gerne getragen, Kleidungsstück bestand ähnlich wie die Obertunika aus dickem, gewalgtem Wollstoff. Die Paenula ist halbkreisförmig geschnitten und wird vorne vom Hals bis zur Höhe der Magengrube zugenäht, mit Riemen verschlossen oder mit Fibeln zugesteckt. Am Nacken ist eine spitz zulaufende Kapuze (capitium) angenäht.
 Bei gutem Wetter trägt man die Paenula zusammengerollt im Mantelsack der sarcina.
 In der Nacht wird der Mantel als Decke benutzt
Die Focale (Halstuch) ist ein ungemein praktisches und wichtiges Kleidungsstück, denn sie wärmt nicht nur und hält Feuchtigkeit ab sondern verhindert ein unangenehmes Scheuern der Rüstung und bietet dem Hals auch im Gefecht ein wenig Schutz.


"Pera" Ledertasche


     Oben: Legionär beim packen der "furka"
Links: Legionäre auf dem Marsch, bei anscheinend miesem Wetter, den sie haben den Mantel (Paenula) aus gewalktem Wollstoff an. Auf dem Rücken tragen sie ihre Schilde, auf der rechten Seite das Pilum und links die
kreuzförmigen Tragestange (furca) aus Eschenholz an der das Proviantnetz (reticulum) für die Lebensmittel, die "Pera" (lederne Tasche), ein Fell (zum Schlafen) und der Mantelsack (mantica) befestigt sind. Der Helm (cassis), wird beim Marsch auf der Brust mit Lederriemen befestigt.


Vorne die "furka" und was so alles daran befestigt war.


Militärgürtel (Cingulum Militare)
Das Cingulum ist ein mit Metallplättchen besetzter, über die Hüften getragener Ledergürtel, an dem vorne seit der nachaugustischen Zeit ein Schurz aus 4-8 ebenfalls mit Metallbeschlägen versehene Lederstreifen angebracht waren. Dieser Schurz sollte zum einen wenigstens das Gefühl eines Unterleibschutzes vermitteln, zum anderen durch sein Klappern und Rasseln den Gegner beunruhigen. Über die Tunica geschnallt gehörte das Cingulum zur Dienst-, über den Panzer geschnallt zur Felduniform.
Das Cingulum war das Symbol des Soldatenstandes, und häufig aufwendig verziert, es wurde im 1. Jh. n. Chr. im römischen Heere eingeführt. Es war gallischer Herkunft.

Defensivbewaffnung

Helm (Galea oder Cassis)
Man unterscheidet heute - je nach Fundort - verschiedene Typen von kaiserlich-gallischen Helmen (so z.B. die Typen Hagenau und Weisenau). Sie alle haben jedoch die typische kugelkalottenartige Form. Den Helm krönte die Crista, der Helmbusch.  Die Crista des einfachen Legionärs wurde nur bei Paraden montiert, der Centurio trug sie jedoch auch im Kampf, aber um 90 Grad gedreht (crista transversa).
Stirn und Schläfe des kaiserlich-gallischen Helmes wurden durch einen Schirm an der Vorderhaube, die Kopfseiten durch Wangenklappen (bucculae) und das Genick durch einen Nackenschirm geschützt.

Helm (Galea oder Cassis)


lorica hamata

Brustpanzer Lorica
In der römischen Armee gab es mehrere, verschiedene Panzerarten:
Der Muskelpanzer (thorax) war dem Kaiser und den hohen Offizieren  vorbehalten, die Mannschaften trug schon in der Republik das Kettenhemd (lorica hamata) oder den Schuppenpanzer (lorica squamata).
Der Schuppenpanzer war jedoch weit weniger verbreitet als das Kettenhemd. In der Kaiserzeit kam dann der Schienenpanzer (lorica segmentata)
auf, und war im Gegensatz zu den anderen Panzern, eine rein römische Entwicklung. Der Schienenpanzer eignete sich besser für die Massenproduktion und war deshalb billiger, 2-3 kg leichter als das Kettenhemd, und bot eine bessere Schutzwirkung.


lorica squamata

Schild scutum

Der gewölbte, rechteckige Schild der Kaiserzeit, war mehreren Schichten übereinander gelegter Brettchen gefertigt, einer Art Sperrholz. Der Griff und die Hand wurden von einem Metalllernen Schildbuckel (umbo) geschützt. Das Scutum war weiter mit Leder oder Leinen bezogen und an den Rändern mit Metall eingefasst.
Das Scutum war mit den, oft kultischen, Symbolen der Einheit (Legion) bemalt und war damit der einzige wirkliche uniforme Teil der Legionärsausrüstung. Auf dem Marsch befestigte man den Schild mittels eines Trageriemens auf der linken Rückenseite. Gegen Regen und Schrammen konnte der Schild mit einer Schildhülle aus Leder geschützt werden.

Offensivwaffen
 


Gladius Typ "Pompeii"
Die Hauptwaffe des römischen Legionärs war das (Kurz-) Schwert, der Gladius. Es wurde von Keltiberern übernommen und wird deshalb auch oft "spanisches Schwert" genannt. Der Gladius ist beidseitig geschliffen aber in erster Linie eine Stich und keine Hiebwaffe. Der Gladius tritt in zwei verschiedenen (nach den Fundorten benannten) Typen auf, der Typ "Mainz" hat eine verjüngte, fast stromlinienförmige Klinge, der Typ "Pompeii" hat eine gerade Klinge mit abgekanteter Spitze. Typ "Mainz" mit einem flachen Schwertknauf wurde gewöhnlich am
Cingulum
getragen, Typ "Pompeii" mit einem kugeligen Schwertknauf am Balteus (Schulterriemen). Der Legionär trug den Gladius auf der rechten (nicht auf der linken) Seite, so konnte er das Schwert auch in geschlossener Formation ziehen ohne seine Deckung (das Schild) zu öffnen oder seinen Nachbarn zu behindern. Der Centurio und alle höheren Offiziere trugen den Gladius auf der linken Seite. Den Pugio jeweils auf der anderen Seite.


Pilum

Wurfspeer (Pilum)

Das Pilum war neben dem Schwert die Hauptwaffe des Legionärs, eine genuin römische Entwicklung. Der Wurfspeer wurde auf eine Entfernung von ca. 20 Meter geworfen und hatte die Aufgabe den Gegner seiner Deckung (seiner Schilde) zu berauben. Die gehärtete, wiederhakenartige Metallspitze drang in die gegnerischen Schilde ein und konnte nicht mehr hausgezogen werden, der lange Schaft aus weicherem Eisen verbog sich beim Aufprall und machte so die Schilde unbrauchbar. Dieser Effekt machte es außerdem unmöglich die Pilen bei einem Fehlwurf zurück zu werfen.
Der Pugio ist ein zweischneidiger Dolch, der als Zusatzwaffe von Legionären und Auxiliarinfanterie bei allen Dienstgraden, sowohl im Kampf als auch so getragen wurde. Der Pugio wurde gegenüber dem Schwert getragen, und zwar bei den Centurionen rechts, bei allen anderen links an einem separaten, meist ebenfalls reich verzierten Gürtel, später am Cingulum.
Der Pugio wurde wie der
Gladius Ende des 3. bzw. Anfang des 2. Jhd. v. Chr. von den Keltiberern übernommen. Seine Form änderte sich von diesem Zeitpunkt an nur unwesentlich. Immer zweischneidig hatte er eine geschwungene, dem Mainzer-Gladius, und somit dem ursprünglichem spanischem Schwert, ähnliche Klingenform. Oft wurden mehrere so genannte Blutrinnen angebracht, die der Zierde und Gewichtsreduzierung dienten. Die Klingen waren 200 bis 250 mm lang und nicht mehr als 60 mm breit, aus hochwertigem Stahl geschmiedet.


Unteroffizier Signifer


Offizier Centurio

Die signiferi waren duplicarii, erhielten also den doppelten Sold eines Gemeinen. Neben ihrer Aufgabe als Feldzeichenträger waren sie auch für die Kasse ihrer Einheit verantwortlich. Zur Ausstattung aller signiferi gehörte ein Tierfell über dem Helm, das wohl die Stärke des Tieres (meist Raubkatze, oft auch Bär) auf die Einheit übertragen sollte. Da das Tragen eines Feldzeichens beide Hände verlangt, führten die signiferi keinen schweren Kampfschild, sondern nur eine leichte, sehr kleine Rund-Parma.

Die Centurionen bildeten das Rückgrat der römischen Legionen. Zumeist waren es erfahrene Soldaten, die auf Grund ihrer Fähigkeiten oder wegen besonderer Tapferkeit in diesen Rang aufstiegen. Die Ranghöhe der Centurionen untereinander wurde durch das Dienstalter bestimmt. Die Erkennungsmerkmale aller Centuriones waren der quergestellte Helmbusch (crista transversa) und die vitis, ein Knüppel als Zeichen der Disziplinar-Gewalt.
Dem centurio unterstanden ein signifer (Feldzeichenträger), ein optio (Stellvertreter), ein tesserarius (Schreiber), ein cornicen (Hornist) und ein custos armorum (Waffenwart). Letzterer war immunis, die anderen gehörten zu den principales, wobei der signifer und der optio duplicarii (Doppelbesoldete) waren, während tesserarius und cornicen sesquiplicarii (1 ½ -fach Besoldete) waren. Rangmässig stand der signifer über dem optio, doch funktionsmässig war dieser der zweite Mann nach dem centurio, also sein Stellvertreter. Der Rang des signifers war also eine Ehrencharge.
DAS SCHWERE GEPÄCK DER ZELTGEMEINSCHAFT UND DER ZENTURIE

Die Ausrüstung eines römischen Soldaten umfasst nicht nur seine Waffen, Rüstung und Kleidung. Der Legionär und Auxiliarsoldat ist nämlich zudem mit Kochgerätschaften ausgestattet, die ihm weitgehend von der Armee gestellt — und dann vom Sold abgezogen — werden, während der Rest aus den Ansiedlungen stammt, die in der Nähe seines Lagers liegen. Er führt auch Waschzeug und Erste-Hilfe-Material mit, sowie allerlei Kleinkram, der das Soldatenleben angenehmer macht (siehe Seite 76-77). Jeder einzelne Soldat muss sich außerdem finanziell am gemeinschaftlich genutzten Material seines contubernium beteiligen, also der Zelt- bzw. Stubengemeinschaft. Sie umfasst acht Soldaten und ist die kleinste Einheit der römischen Armee, bei der Legion wie den Hilfstruppen, ohne jedoch eine taktische Rolle zu spielen. Zehn contubernia ergeben eine Zenturie mit einer Sollstärke von 80 Mann. Dazu kommen noch der centurio als Chef und die Unteroffiziere: der optio (Stellvertreter des centurionis) und der ihm zur Seite stehende 1 tesserarius, der u.a. für die Ausgabe der Parole verantwortlich war, sowie der Feldzeichenträger und der Signalbläser.
Den Zeltgemeinschaften geht gewöhnlich ein oder mehrere Burschen (calones) zur Hand. Sie sind mit den ritterlichen Knappen vergleichbar und kümmern sich um das Wohlergehen ihrer Herrschaft, die ihnen wohl überwiegend gewogen ist. Sie dürfen nicht mit Sklaven verwechselt werden, die ebenfalls in großer Zahl vom Heer eingesetzt werden, vor allem beim Tross. Die calones durchlaufen wohl ebenfalls eine zumindest rudimentäre militärische Ausbildung, da die antiken Berichte sie mitunter auch als Kombattanten erwähnen. Bisher ungeklärt ist die Frage nach der Unterbringung dieser Burschen, wie auch der Optios und tesserarii im Feld: Untergebene die einen und Vorgesetzte die anderen, ist es fraglich, ob sie in demselben Zelt geschlafen wie das contubernium, denn mit acht Mann und all deren Gepäck dürfte es ziemlich eng gewesen sein.

Das Zelt
Der Soldat muss auch seinen Anteil für das Gruppenzelt (»papilio«, da es an einen Schmetterling erinnert, wenn es
auf dem Boden ausgelegt ist) bezahlen. Aus den antiken Texten und archäologischen Erkenntnissen wissen wir, dass diese wohl in der Regel aus Leder gefertigt waren. Für die Herstellung eines Zeltes wurden ungefähr 90 Ziegenhäute benötigt. Eine kurze Hochrechnung zeigt uns, dass fast 60.000 dieser Tiere ihr Leben lassen mussten, um die 600 contubernia einer einzigen Legion unterzubringen, wobei die großen Zelte des Stabes und der Offiziere, das Feldlazarett, die Unterkünfte für den Tross usw. noch gar nicht berücksichtigt sind. Das Römische Reich verfügte über rund 30 Legionen, mit ungefähr 150.000 Legionären, sowie über fast die gleiche Zahl an Hilfstruppen — die allesamt untergebracht werden mussten. All die Nichtkombattanten, die zu einer Legion gehörten, sind dabei noch gar nicht berücksichtigt. Angesichts dieser ernsten Bedrohung der antiken Ziegenpopulation mag
man sich fragen, ob nicht vielleicht auch Zelte aus Stoff verwendet worden sind, auch wenn dieses Material in der damaligen Zeit erheblich teurer war als heute, während Leder recht billig zu haben war.
Die u.a. im Lager Vindolanda am britischen Hadrianswall gefundenen ledernen Zeltfragmente ermöglichen uns Rückschlüsse auf deren Aussehen. Demnach hat das gewöhnliche papilio eine Grundfläche von 3 x 3 m und eine Firsthöhe von etwa 1,70 m. Für Zenturios und die übrigen Offiziere stehen wesentlich größere Zelte bereit, bis hin zum Kommandeurszelt, das groß genug ist, um darin Lagebesprechungen abhalten zu können. Das Zelt samt Heringen und Zeltstangen wird vom Maultier der Gruppe getragen. Das Leder bedarf ständiger Pflege und muss eingefettet werden, um es wasserdicht zu halten. Doch auch wenn das Zelt nass werden sollte, hat es genügend Zeit wieder zu trocknen, da es ja auf dem Marsch jeden Abend neu aufgebaut wird. Bei normalen Temperaturen bereiten sich die Soldaten darin ein einfaches Lager aus Stroh, wickeln sich in ihren Mantel ein und schlafen dann inmitten all der Ausrüstungsgegenstände, die nicht feucht werden sollen. Wenn die Truppe über längere Zeit an einem Ort bleibt, wird natürlich versucht, das Ganze etwas bequemer und gemütlicher zu gestalten. Die Zelte der Zenturios bieten wesentlich mehr Komfort und die der höheren Offiziere natürlich erst recht. Hier findet sich diverses Mobiliar oder sogar eine Badewanne. Im Marschlager stehen die Zelte jeder Zenturie ordentlich nebeneinander, und am Kopfende der jeweils zehn contubernium-Zelte steht das deutlich größere Zelt ihres Zenturios (mit zwei calones). Der Feldzeichenträger und der Hornist teilen sich wahrscheinlich ein Zelt, das zwischen dem ihres Chefs und denen der Mannschaften stehen dürfte. Gegenüber dieser sauber ausgerichteten Reihe von zwölf Zelten steht die Zeltreihe der Zenturie, die mit der ersten zusammen eine Manipel bildet (160 Mann). Auf dem freien Platz zwischen den beiden Zeltreihen sind die Tragtiere untergebracht, es finden Waffendrill und Appelle statt und hier bereiten die Soldaten ihre Nahrung zu und verbringen einen Teil ihrer freien Zeit. Wenn die Burschen nicht in denselben Zelten untergebracht sind wie die Soldaten, dann werden sie eigene Unterkünfte haben, die möglicherweise auf den kurzen Seiten zwischen den Zeltreihen der beiden Zenturien liegen. Das Küchengerät Schilder und Wurfspeere werden vor den Zelten ordentlich abgestellt, indem man sie gegeneinander lehnt. Dann wird der Helm mit dem Kinnriemen so über das pilum gehängt, dass er auf dem scutum ruht. Das Ganze steht recht stabil.  Da es in der römischen Armee keine Kantinen gibt, müssen die Soldaten ihre Verpflegung zu den Essenszeiten selber zubereiten. Bei dieser Arbeit, bei der die calones helfen, wechseln sich die Männer natürlich ab.
 
Auf einem als Tisch zweckentfremdeten Schanzkorb, der normalerweise zum Wegschaffen von loser Erde eingesetzt wird, zerteilt hier ein Soldat die Fleischration seiner Gruppe, die er vom Fleischer (lanius) des Lagers bekommen hat. Die Truppe verfügt zwar über eigene Schlachtviehherden, kauft aber auch Tiere vor Ort zu, requiriert sie oder nimmt sie dem Feind bei Strafexpeditionen ab. Für die Zubereitung der Nahrung gibt es in jeder Zeltgemeinschaft ein eigenes Dreibein und diverse Behälter sowie gemeinsame Kochutensilien, wie etwa Bratpfannen, Kochkessel usw.; Kochgeschirr, Feldflasche, Kasserolle und Besteck gehören ohnehin zum persönlichen Gepäck eines jeden Soldaten. Einen Großteil der Verpflegung der Männer besteht aus Getreide, das ungemahlen an sie ausgegeben wird. Um daraus ihren Getreidebrei (puls) oder Fladenbrote (panis militaris) zu bereiten, müssen sie ihre Getreiderationen selber zu Mehl vermahlen. Jedes contubernium hat zu diesem Zweck eine steinerne Handmühle, die zumindest teilweise mit dem Namen der Zeltgemeinschaft gekennzeichnet werden, wie man durch Funde weiß. Das Getreide wird zwischen dem Boden- und dem mit einer Kurbel versehenen Oberstein zu Mehl zerrieben. Die Handmühle steht in einem Holzbottich, in dem das gewonnene Mehl aufgefangen wird. (In den Standlagern gibt es natürlich große Mühlen, in denen das Mehl für die ganze Zenturie gemahlen wird.)

Fechtausbildung
Neben einigen Geschützen gibt es in jeder Zenturie auch noch spezielle Ausrüstung für die Fechtausbildung ihrer Soldaten: Holzschwerter und Wurfspeere, die etwa doppelt so viel wiegen wie die richtigen Waffen, die im Einsatz verwendet werden und auch der verwendete Schild aus Weidenruten ist um einiges schwerer als das Original. Auf diese Weise werden die Muskeln gestärkt und man tut sich später mit den echten Waffen leichter. Mit diesen Ausbildungswaffen übt der junge Soldat mehrmals täglich im Lager sein Handwerk, vielleicht auch in einem nahe gelegenen Übungsgelände.

Das Schanzzeug
Jede Einheit verfügt über genügend Werkzeug, um für alle denkbaren Situationen gerüstet zu sein. Bevor das Lager aufgeschlagen werden kann, sucht einer der Tribune zusammen mit dem Vermessungstrupp einen geeigneten Platz dafür aus; letzterer markiert dann den Grundriss des Lagers für die Truppe, die in einiger Ent-
fernung nachfolgt und für den Bau zuständig sein wird. Ein Teil der für die Schanzarbeiten abgezogenen Le-
gionäre bereitet alsbald das Gelände mit Ziehhacken (ligones), Dachsbeilen (asciae) und Haumessern mit langer Klinge (falces) vor und beseitigt mit Sägen (serrae) und Beilen (secures) Sträucher und Bäume. Das wichtig-
ste Pioniergerät überhaupt ist jedoch die dolabra, die auf der einen Seite eine Axtklinge aufweist und auf der anderen Seite einen Pickelfortsatz und somit ebenso für die Holzbearbeitung wie zum Schanzen geeignet ist. Mit eisernen Eggen, zwei- (bidenses) und mehrzinkigen Hacken (rastri) wird dann der Untergrund eingeebnet. In der Zwischenzeit beginnen die Arbeitskommandos damit, rings um die Lagerumwehrung herum mit Holzspaten (palae), deren Blätter mit Eisen beschlagen sind, oder Schwanenhalsschaufeln (rutri) einen oder mehrere Spitzgräben auszuheben. Die dabei anfallende Erde wird zu einem Erdwall aufgeschüttet und anschließend festgestampft; der Transport erfolgt mit Weidenkörben (quala, cofini) oder Holztrögen (alvei). Aus der Grasnabe vor dem Lager werden mittels halbmondförmiger Rasenstecher (caespitarii ?) noch 30 x 45 cm große Rasenziegel ausgestochen, mit denen anschließend die Außenfront des Walls belegt wird. Oben auf dem Wall errichten die Soldaten zum Schluss eine Brustwehr aus hölzernen Schanzpfosten (valli), die an beiden Enden angespitzt sind und eine Einkerbung in der Mitte haben, wo sie mit Stricken miteinander verbunden werden. Mehrere dieser valli werden auf dem Muli jeder Zeltgenossenschaft transportiert. Jede Zenturie ist für einen Abschnitt der Lagerbefestigung verantwortlich und der Zenturio überprüft am Schluss die seinen Männern übertragenen Arbeiten aufs Genaueste.

Der Transport des schweren Gepäcks
Möglich wäre eine Verpackung in kleinere Weidenkörbe  (die zwar nicht belegt sind, aber denkbar wären), in denen sperrige persönliche Besitztümer untergebracht sind allerdings würde dies bedeuten, dass Karren o.ä. notwendig wären, um das Gepäck der contubernia zu transportieren. Dieses wird zusammen mit dem übrigen schweren Gepäck der Legion (impedimenta), also Werkzeuge, Vorräte, Offiziergepäck und Zelte, mit Tragtieren (meistens Maultiere, aber auch Pferde und in Wüstenregionen Dromedare), die von Treibern geführt werden und auf Wägen befördert. Zum schweren Gepäck einer Legion gehören auch die leichten Geschütze, sowie im Bedarfsfall schweres Belagerungs- und Pioniergerät, etwa für Flussüberquerungen. Über die Logistik der Zeltgemeinschaften des Prinzipats wissen wir nichts Genaues. Doch fünf bis sechs Jahrhunderte später, in der byzantinischen Epoche, steht jeder Gruppe aus 16 Mann (dies entspricht zwei contubernia) ein Wagen für den Transport ihrer Mühlsteine, Gerätschaften und Transportkörbe zur Verfügung. Vielleicht ist es ja zu »unserer« Zeit ähnlich? Allerdings muss man bedenken, dass Fahrzeuge auf ein gut ausgebautes und instand gehaltenes Straßen- und Wegenetz angewiesen sind, während Maultiere fast uneingeschränkt »geländegängig« sind und sich zudem im Notfall verspeisen lassen. Die antiken Quellen erwähnen im Zusammenhang mit dem schweren Gepäck eines contubernii auch nirgends einen Wagen, sondern stets nur Tragtiere; Marcus Junkelmann konnte zeigen, dass tatsächlich ein Maultier ausreicht, um dieses Gewicht zu tragen. Gewaltmärsche (itinerae maxirnae), bei denen gut 50 km am Tage zurückgelegt werden können, werden mit einem Minimum an Gepäck unternommen und natürlich ohne Tragtiere oder Tross. Diese sind jedoch die Ausnahme - etwa, wenn es gilt, eigene Truppen schnell zu entsetzen — und sind selbstverständlich nur über wenige Tage hinweg möglich. Die Bedeutung der impedimenta für die römische Kriegführung kann gar nicht genug betont werden. Der Feind weiß das und konzentriert seine Angriffe daher oft direkt gegen den Tross, zum einen, weil man hier mehr und bessere Beute findet, aber auch um der römischen Kriegsmaschinerie einen empfindlichen Schlag zu versetzen.
 

Quellen: www.die-roemer-online.de

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