Straubing zur Zeit der Kelten

 
Dort, wo heute die Stadt Straubing liegt, lassen sich seit etwa 5600 v. Chr. (Jungsteinzeit) nahezu ohne Unterbrechungen menschliche Ansiedlungen nachweisen. Bedeutend ist dabei vor allem die frühbronzezeitliche Straubinger Kultur.
Ein einschneidendes Ereignis für die Region war die Eroberung durch die Römer um die Zeitenwende.
Noch heute finden sich viele Spuren der etwa 400 Jahre dauernden römischen Herrschaft, darunter vier Kastelle und der bekannte Römerschatz, der im Gäubodenmuseum ausgestellt ist.



Kelten vor einer
"oppida" umgeben von der "murus gallicus".
 Quelle: www.thesoulofcelt.de

 

Die Gründung der ersten keltischen Siedlungen in der Gegend des heutigen Straubing fällt in den Übergang von der Hallstatt- zur Latènezeit. Sie wurden offenbar nach der Abwanderung der hallstattzeitlichen Bevölkerung zu Beginn des 5. Jhs. v. Chr. neu angelegt.
Die Lebensgrundlage der früh latènezeitlichen Bevölkerung war in erster Linie die Landwirtschaft, für die der fruchtbare Gäuboden beste Voraussetzungen bot. Die günstige Lage an einer Schnittstelle mehrerer Fernhandelswege trug ebenso entscheidend zum Wohlstand der Bevölkerung bei.
Von den Kelten stammt auch der erste erhaltene Siedlungsname Sorviodurum.

Keltische Siedlung

 Seit dem späten 2. Jh. v. Chr. trieb die keltische Welt allmählich ihrem Untergang entgegen. 121 v. Chr. richteten die Römer in Südgallien ihre erste Provinz ein, ein erster Keil, der von Süden gegen die keltische Welt getrieben wurde. Von Norden drangen die sich ausdehnenden Germanen in die keltische Welt ein. So kamen die Kimbern und Teutonen auf ihrem Zug um 120 v. Chr. auch durch Südbayern. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass sich hier Auseinandersetzungen um Sorviodurum abspielten. Während des 1. Jh. v. Chr. nahmen die Bedrohungen zu. Germanische Einfälle von Norden und die Expansionspolitik Roms erschütterten das Wirtschaftssystem schwer. Mit den caesarischen Eroberungen waren Veränderungen erreicht, die vermutlich das gesamte bis dahin aufgebaute Wirtschaftssystem zum Erliegen brachten.
In der zweiten Hälfte des 1. Jhs. v. Chr. wanderte ein großer Teil der Bevölkerung Süddeutschlands in Regionen ab, die vom wirtschaftlichen Zusammenbruch dieser Zeit weniger betroffen waren. In Straubing scheint aber zumindest eine Restbevölkerung ansässig geblieben zu sein, da der aus römischer Zeit überlieferte Ortsname „Sorviodurum“ auf ein Fortleben der keltischen Bevölkerung schließen lässt.

Nach C. Tappert

 Kastelle Truppen <> Landwirtschaft

Römerkastell "Sorviodurum"  am Donaulimes


Stilisierter Nachbau des südlichen Kastelltores als Eingang zum Römerpark
 


 

Kastelle Truppen

Im Jahre 15 v.Chr. erteilte Kaiser Augustus den Befehl zur Eroberung des heutigen bayerisch-schwäbischen Voralpengebiets. Bis zur endgültigen Stationierung römischer Truppen an unserem Donauabschnitt in der neuen römischen Provinz Rätien mit Augsburg (Augusta Vindelicum) als Hauptstadt, dauerte es jedoch noch etwa 40 Jahre, dann erst wurde der Fluss zur Grenze des Imperiums durch Anlage von Kastellen und Zivilsiedlungen. Damit begann auch die Geschichte des römischen Lagerortes Sorviodurum / Straubing am osträtischen Donaulimes. Seine Bedeutung verdankt das in der Tabula Peutingeriana (Kopie einer antiken Straßenkarte) verzeichnete „Sorviodurum“ einem Donauübergang vom Gäuboden nach Böhmen, aber auch dem Flusshafen sowie der Donau-Südstraße (Trajan Strasse). Auf der Niederterrasse entstand östlich der Einmündung des Allachbachs in ein Altwasser der Donau schon in der frühen Regierungszeit von Kaiser Vespasian (69-79) ein Kastell für die 2. Räterkohorte, eine 500 Mann starke Infanterieeinheit.
        cohors II Raetorum
Diese Kohorte ist nur aus den Diplomen und von Ziegelstempeln bekannt. Offenbar lag sie in flavischer Zeit im Westkastell von Straubing.  Der Verbleib der Einheit nach der Zerstörung des Kastells in den Markomannenkriegen ist, da es keine späteren Diplome gibt, unbekannt.

Obwohl nicht wie Regensburg zur Bedeutung einer „Stadt" erhoben, kann sich Straubing angesichts seiner römischen Geschichte und der Zeugnisse aus dieser Epoche mit Recht als „Römerstadt" bezeichnen.  Zeitweise bestanden zwei Kastelle nebeneinander. Der wichtigste Kastellbereich war das schon keltisch besiedelte Ostenfeld, dessen Reste noch heute im Boden schlummern und nun im Rahmen der Anlage eines archäologischen Parks ans Licht gebracht und zugänglich gemacht werden. In seiner Blütezeit im 2. und beginnenden 3. Jahrhundert n.Chr. waren hier 1000 Soldaten stationiert.
Eine der Besatzungen war möglicherweise die 3. Bataverkohorte, eine 1000 Mann starke Infanterieeinheit, aus der römischen Provinz Belgica, von der zwei Ziegelstempel aus Straubing bekannt sind.
         cohors III Batavorum equitata miliaria
Während des 1. Jh. n. Chr. war die Einheit in Britannien und wurde wahrscheinlich unter Traian nach Raetien verlegt. Von 107 bis 116 n. Chr. belegen die Diplome ihre Anwesenheit, möglicherweise war Ruffenhofen ihr Standlager aber auch Straubing wäre möglich. Zwischen 116 und 122/124 n. Chr. wurde die Truppe dann nach Pannonia inferior abgezogen, dort blieb sie bis ins 3. Jh. n. Chr.

Auf diese Truppe folgte die 1. Canathenerkohorte, eine in Syrien ausgehobene Spezialeinheit von 1000 Bogenschützen, von der sich zahlreiche Ziegelstempel und eine Inschrift fanden.
Sorviodurum besaß an der  Mündung des Allachbaches ein Kriegshafen der römischen Flotte, einen weiten Vicus Bereich, das heißt eine Zivilsiedlung, Gräberfelder an den Zugangsstraßen und Villa rusticae, d.h. Bauerngüter im Hinterland. Die Romanisierung brachte die überlegene römische Zivilisation, deren Errungenschaften allerdings auch Begehrlichkeiten bei germanischen Stämmen wie den Markomannen und Alamannen weckten, die nach der 1. Hälfte des 2. Jahrhunderts und in der I. Hälfte des 3. Jahrhunderts auch unsere Grenze stürmten und die Donauorte zerstörten. Von den Markomannenkriegen in den 70er Jahren des 2. Jahrhunderts wurde Sorviodurum schwer getroffen. Das Westkastell der 2. Raeterkohorte ging in Flammen auf, die Truppe wurde in den Kämpfen aufgerieben. Große Teile des Lagerdorfes wurden zerstört. Nach den Markomannenkriegen (182 n.Ch.)  verblieb die 1. Canathenerkohorte in Straubing.
Trotz Krisen und Bevölkerungsrückgang in der Spätantike dürfte sich jedoch römisches Leben um das Burgartige Kastell auf der Erhöhung von St. Peter noch bis in das 5. Jahrhundert hinein erhalten haben.
In ihm waren Germanen, die im Dienste Roms standen, stationiert. Das Kastell blieb bis gegen die Mitte des 5. Jahrhunderts mit Truppen belegt und wurde dann geräumt.
Quellen Text:
http://www.bayerischer-wald-verein.de
                        
http://www.gaeubodenmuseum.de/index.cfm
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Die Soldaten in Sorviodurum stammten römischer Militärpolitik der frühen Kaiserzeit entsprechend ursprünglich nicht aus dem Donau- oder Voralpenland, sondern aus fernen Provinzen des Reiches. Während Regensburg im Jahre, 179 zum Legionslager wurde und damit 6000 italienische Elitesoldaten beherbergte, waren in Straubing Hilfstruppen stationiert.

Die bekannteste Einheit war wohl die auf Kleinasien verweisende
1. Canathenerkohorte
, die "cohors I Flavia Canathenorum miliaria sagittariorum"
Erstmals 116 n.Chr. in einem Diplom für Raetien genannt, muss die Einheit zwischen 107 und 116 n.Chr. in die Provinz verlegt worden sein. Die Vorgeschichte ist völlig unbekannt. Sie stand bis ins 3. Jh. n.Chr. in Straubing. Es handelt sich um eine im Gebiet der syrischen Stadt Canatha, dem heutigen
Qanawat, aufgestellte Spezialeinheit von Bogenschützen.

Von hier kam wahrscheinlich die 1.Canathenerkohorte. 
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Syrischer Bogenschütze in
 der römischen Armee  2./3. Jh. n.Chr.


AUXILIAR-BOGENSCHÜTZE
 


Syrische Bogenschützen "sagittarii"

Seit jeher haben sich die Römer der mit ihnen verbündeten Völker bedient, um ihre eigene militärische Schlagkraft zu erhöhen. Anfangs waren dies vor allem Latiner und Italiker, später dann zunehmend auch Völkerschaften von außerhalb der Halbinsel. Zwar werden Status, Struktur und Dienstbedingungen der Auxiliartruppen innerhalb ihrer Kohorten bzw. Alen erst durch Augustus' Heeresreform genau festgelegt, doch schon vor diesem Zeitpunkt wird die Beteiligung fremdstämmiger Verbündeter sehr geschätzt. Während die aus römischen Bürgern bestehenden Legionen die Rolle der schweren Infanterie übernehmen, die »Dampfwalze der Schlachtfelder«, überlassen sie den Auxiliartruppen gerne viele andere Aufgaben, etwa die der Kavallerie. Und die auxilia übernimmt — als leichte Infanterie — gewöhnlich auch den Einsatz der Fernwaffen, in deren Handhabung sie geschickter sind: Es sind dies die Schleuder und der Bogen. Die besten Schleuderer findet man auf den Balearischen Inseln, während die berühmtesten Bogenschützen aus Kreta oder den Orientprovinzen des Reiches stammen. Die Texte und die Epigraphik geben auch über andere Kontingente von Bogenschützen Auskunft: Im Bürgerkrieg hatte Caesar gallische Ruteni (aus dem heutigen französischen Departement Aveyron) eingesetzt und während seines Feldzuges gegen die Parther syrische Hilfstruppen.
Syrien
ist im Jahr 64 v. Chr. zur römischen Provinz geworden.
Für die Zeit des Prinzipats wissen wir von Bogenschützen aus Thrakien, Kommagene, Kilikien, Moesien und auch wieder aus der Provinz Syria.

Orientalische Bogenschützen

Ein Grabstein aus Housesteads am Hadrian's Wall sowie Darstellungen auf der Traianssäule  zeigen orientalische Bogenschützen aus Einheiten, die in Syrien rekrutiert worden sind. Der Mann aus Housesteads trägt eine Tunica und ein Kettenhemd und ist mit einem aus einem Stück getriebenen Kegelhelm, einem einschneidigen Hiebschwert und einem Reflexbogen (Kompositbogen) samt Schutzhülle und Köcher bewaffnet. Ähnlich sind auch die Bogenschützen der Traianssäule dargestellt, nur tragen sie lange Kaftane.

Kegelförmige Helme, wie auf dem Grabstein von Chesters in England wurden im Original bisher nur im Donauraum gefunden, etwa die Stücke aus Dakovo, Bosnien, oder aus der Gegend von Intercisa. Diese Helme mit ihren aus einem Stück getriebenen Kalotten dürfen nicht mit den ebenfalls kegelförmigen mehrteiligen Spangenhelmen der ausgehenden Spätantike und der Volkerwanderungszeit verwechselt werden (Miks 2008).

Dreiflügelige Pfeilspitzen und beinerne Bogenendversteifungen von Reflexbögen kommen dagegen häufig in allen Grenzprovinzen vor. Das einschneidige Hiebschwert, wie es auf dem Grabstein von Housesteads abgebildet ist, wird in römischen Fundzusammenhängen eher selten angetroffen. Man kennt eine solche Waffe z. B. aus Vindonissa. Germanisch ist diese Waffe jedenfalls, wie bei Unz/ Deschler-Erb angegeben, sicherlich nicht.

Die Ausrüstung mit langen Gewändern, Kegelhelmen und einschneidigen Hiebschwertern muss aber nicht für alle orientalischen Bogenschützeneinheiten zugetroffen haben. So sind z. B. bisher aus dem Kastell und dem Umfeld der coh. 1. Canathenorum sagittariorum milliaria equitata in Sorviodurum/Straubing an der raetischen Donaugrenze zwar zahlreiche dreiflügelige Pfeilspitzen und Bogenendversteifungen bekannt geworden. Ansonsten traten aber hier keine von der gängigen Bewaffnung von Hilfstruppen in Raetien abweichenden Rüstungsstücke, z. B. kegelförmigen Helme oder Hiebschwerter, auf. Vielmehr entsprechen die zahlreichen Waffenfunde aus dem Straubinger Kastell der üblichen Infanterie- und Kavalleriebewaffnung (Walke 1965; Prammer 2010, 13-17). Aus: Die Armee der Caesaren vonThomas Fischer
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Das eindrucksvollste und weltbekannte Zeugnis für die römische Geschichte Straubings und die mit ihr verbundenen Beziehungen zur Zivilisation eines Weltreiches ist der so genannte „Römische Schatzfund" von Straubing , eine Dauerleihgabe des Landkreises Straubing-Bogen im Gäubodenmuseum mit seiner bislang in dieser Fülle einmaligen Sammlung von
Gesichtshelmmasken und Rossstirnen für militärische Reiterspiele und turnierartige Wettkämpfe. Die in und um einen großen Bronzekessel gelagerten Stücke des Fundes, von den Paraderüstungsteilen über Bronzestatuetten bis zu eisernem Handwerks- und Gebrauchszeug, wurden während der Alamannen Einfälle in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts n.Chr. bei einer Villa rustica (Röm. Gutshof) in Alburg von germanischen Plünderern vergraben und erst 1950 bei Bauarbeiten geborgen.


Straubing Präsentation des Schatzfundes im Gäubodenmuseum
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Lage der römischen Kastelle bei Straubing (Sorviodurum), erhalten als Bodendenkmal.

Allgemein zugängliches Luftbild der Bay. Vermessungsverwaltung bearbeitet von K. Bunke
mit Unterstützung durch das Museum Straubing Hr. J.Prammer / Hr. C.Seliger
Plan der Kastelle und der Umgebung

Das Steinkastell und sein vicus, der das Kastell an drei Seiten umschloss, wurden im 3. Jh. zerstört. Die jüngsten Grabungen in Straubing haben weitere interessante Befunde des römischen Militärwesens ans Licht gebracht: Mehrere zu Übungszwecken von den Soldaten angelegte Lager östlich der bekannten Kohortenlager. Die Befestigung der Spätantike lag außerhalb des mittelkaiserzeitlichen Kastell- und Vicusareals auf einem Geländesporn westlich des Allachbachs, im Gebiet um St. Peter. Zugehörige Gräber wurden im Bereich Altstadt und um das Kloster Azlburg entdeckt. Ihre Belegung beginnt in der Zeit um 300 und reicht bis in die erste Hälfte des 5. Jh., wobei Gräber mit ausgeprägter germanischer Beigabenkomponente auf hier stationierte Barbarentruppen deuten.
 


Ostkastell, im Grabungsbild sind Teile des älteren Holztores und die darüber liegenden
Fundamente des jüngeren Steintores an der Nordseite (porta praetoria) zu erkennen.
 


So in etwa könnte es mal im Ostkastell gewesen sein. (Tafel im Römerpark)
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LANDWIRTSCHAFT
 
Die römische Besiedlung im Hinterland von Straubing

Die Aufsiedlung des Hinterlands von Straubing erfolgte bis auf wenige Ausnahmen im Schwerpunkt zu Beginn des zweiten Jahrhunderts nach Christus. Bis dahin, das heißt von claudisch-neronischer / flavischer Zeit, d.h. vom 2. Drittel des 1. Jahrunderts an, scheinen die Militäranlagen von Straubing noch weitgehend über die Donau versorgt worden zu sein. Entsprechend finden sich zu dieser Zeit Donau aufwärts in Oberstimm ein großes Versorgungslager mit Magazinbauten und ein Hafen mit Piers in Straubing, wo später allein die Molen übrig bleiben. Ab Anfang des 2. Jahrhunderts wird der Gäuboden flächig mit so genannten ‚Villae rusticae’ überzogen, die sich alle paar hundert Meter - wie Perlen an einer Schnur aufgereiht - an Terrassenkanten bzw. Gewässerläufen finden. Bei diesen ‚Villae rusticae’ handelt es sich um offene Streuhofanlagen: Dies bedeutet, dass ein Hofareal durch eine Hecke oder Palisade abgegrenzt ist. Innerhalb finden sich das Wohngebäude der Besitzer, Stallungen, Scheunen, Speicher und weitere Wirtschaftsbauten. Häufig waren diese Gebäude als Fachwerkbauten errichtet, steinerne Villen finden sich in größerer Anzahl nahe Regensburg, da dort auch die großen Steinbrüche liegen. Angebaut werden im Bereich des Hofareals Obstbäume, aber auch Eichen wegen der Schweine, häufig findet sich ein Kräuter- und Gemüsegarten oder ein Druschplatz. Die Wirtschaftsflächen, d.h. Wälder, Wiesen/Weiden und Äcker liegen außerhalb arrondiert um das Hofareal oder in Form einer Streifenflur. Im Gäuboden waren schon in der Antike die Höfe sehr groß (ca. 80-120 ha und mehr), im tertiären Hügelland etwas kleiner. Der Ertrag eines solchen Hofes lag nach Abzug des Eigenbedarfes (Lebensmittel und Saatgut) bei ca. 30 Tonnen Getreide. Zusätzlich wurden Fleisch und teilweise auch Handwerksprodukte wie Töpferware hergestellt. Mit diesem Überschuss konnten die großen Siedlungen, etwa das römische Straubing versorgt werden. Bewirtschaftet wurden die Höfe von Großfamilien, die in arbeitsintensiven Zeiten wie Aussaat und Ernte von temporär beschäftigten Kräften unterstützt werden konnten. Während der Markomannenkriege, d.h. in den 60er und 70er Jahren des 2. Jahrhunderts n. Chr., dürften einige Höfe in Mitleidenschaft gezogen und erneuert worden sein, die bestehenden Strukturen funktionierten aber bis ins ausgehende 3. Jahrhundert n. Chr. Germaneneinfälle und innere Unruhen führten zu dieser Zeit zur Zerstörung vieler Anlagen. Ab tetrarchischer/konstantinischer Zeit erfahren die Villen eine Renaissance; nur findet man jetzt weit weniger Anlagen mit wesentlich größeren Wirtschaftsarealen. Das ist Veränderungen in der römischen Armee geschuldet, wo jetzt wesentlich mehr Reiterei eine Rolle spielt. Dafür braucht man wieder große Weideflächen. Die große Katastrophe dürfte mit den Juthungeneinfällen in der 2. Hälfte des 4. Jahrhunderts gekommen sein. Danach änderst sich das Leben insofern, als germanische Elemente eine immer größere Rolle spielen. Im 5. Jahrhundert werden mit den Bajuwaren andere Siedlungsformen in Erscheinung treten.

Quelle: Prof. Dr. Günther Moosbauer (Gäubodenmuseum Straubing)

Die villa rustica am Alburger Hochweg

Die villa rustica am Alburger Hochweg gehört zu den am besten erforschten, zugleich auch zu den ältesten bekannten Villen im Gäuboden. Erste Hinweise auf einen Gutshof gab es schon 1914 und 1916, als beim Lehmabbau zahlreiche römische Kleinfunde geborgen wurden. Umfangreiche, durch die Erweiterung der Lehmgrube bedingte Sondagen, fanden 1929 statt. Dabei konnten große Teile des Hauptgebäudes der Villa und ihres Umfeldes dokumentiert werden.
Das Hauptgebäude, welches mehrere Bauphasen aufwies, war eine symmetrische Anlage von etwa 48 mal 24 Meter Ausdehnung. Die nach Norden zum Allachbach hin orientierte Front besaß zwei Eckrisalite, die durch eine Terrasse und einen Porticus miteinander verbunden waren. Der Haupteingang lag im Süden. Durch ihn gelangte man in einen offenen Innenhof mit impluvium (Wasserbecken). Zu beiden Seiten des Hofes lagen große Gebäudetrakte, von denen nur der östliche vollständig aufgenommen werden konnte. Hier waren zu beiden Seiten eines Korridors je drei Räume angeordnet. Östlich und nördlich des Hauptgebäudes fanden sich noch acht Keller, die auf Nebengebäude hinweisen, sowie zwei Zisternen, ein Brunnen und sieben Ziegelbrennöfen. Die Anfänge der Villa lagen im ausgehenden 1. Jahrhundert. Funde belegen eine durchgehende Nutzung des Gutshofes bis ins 3. Jahrhundert.
Der noch im Boden verbliebene Rest des Hauptgebäudes und das anschließende Villenareal wurden 1950 durch die Anlage von drei Wohnblocks zerstört. In den Baugruben konnten noch Mauerstümpfe des Hauptgebäudes sowie von Nebengebäuden grob festgehalten werden. Überregionale Bekanntheit erlangte die Villa, als im selben Jahr etwa 150 Meter nördlich des Hauptgebäudes der römische Schatzfund von Straubing entdeckt wurde.
Quelle: Museumsführer Gäubodenmuseum Straubing Dr. J. Prammer

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