Der Begriff Germanen (germ. Germanoz) ist in seinem Ursprung
unklar, vielleicht kommt er von Ger, „Speer” und „Männer” oder er meint
„echte Kelten” (nach STRABON) oder ganz anderes.
Im ersten Jahrhundert v. kam er bei den Römern für diejenigen Stämme in
Gebrauch, die aus dem Norden und Osten über den Rhein kamen. Nach dem
römischen Schriftsteller TACITUS soll zuerst der
Stamm der Tungrer so genannt worden sein, später hätten diese sich
selbst Germanen genannt und nach und nach auch die anderen dann so
genannten germanischen Stämme.
Eine andere Quelle sagt.
>>80 v. Chr.
In einer seiner Schriften erwähnt der
griechische Historiker Poseidonis als erster die „Germanoi“, und äußert
sich abfällig über die Essgewohnheiten der Menschen aus dem Norden. <<TACITUS, dessen
Germania zu den bedeutendsten Schriftquellen germanischer Geschichte
zählt, unterschied drei germanische Stammesgruppen, die an der Küste
siedelnden Ingäwonen, den in der Mitte wohnenden Herminonen und die
weiter nach Osten und Norden hin lebenden Istwäonen.
Der
Asen-Vanen-Krieg, eine Auseinandersetzung der in der nordischen Edda
vorherrschenden Göttergeschlechter (Völuspa), wird dahingehend gedeutet,
daß er geschichtliche Vorgänge aus ältester Zeit beschreibe. Vor 5000
Jahren trafen demnach wandernde Schnurkeramiker und Streitaxtleute in
Nord- und Ostseeraum aufeinander. Die folgenden Kämpfe und ein
Ineinanderaufgehen der Völker nach Friedensschluß seien in den oben
beschriebenen Mythen beschrieben und so sei die Herkunft der Germanen zu
erklären.
Wie der
antike Römer unterscheidet auch die modernere Altertumskunde drei
Stammesgruppen, die Nordseegermanen, die Elbgermanen und die
Weser-Rhein-Germanen. Unterschieden wird auch in die Nordgermanen
(Skandinavien, Island) und Südgermanen.
Die Römer
stießen erstmals im 2. Jh. v. auf nördlich der Alpen lebende Stämme, als
die Kimbern und Teutonen über das Gebirge kamen und ins römische
Kernland einbrachen. Später führte die Eroberung Galliens durch den
Römer Caesar zu einer langen Grenze des Römischen Reiches mit
germanischen Gebieten, die Schauplatz zahlreicher Konflikte war. Für Rom
war besonders der Verlust der von Varus geführten Legionen schmerzlich,
als im Jahre 9 der Cherusker Arminius (Hermann) einen vernichtenden Sieg
errang. Die Römer suchten seitdem mit dem Limes zwischen Rhein und Donau
eine sichere Grenze zu errichten und ließen von Eroberungsversuchen ab.
Allmählich bildeten sich jenseits dieser Grenze die später historisch
bedeutsamen Stämme der Alemannen, Franken, Goten, Langobarden,
Markomannen und Sachsen heraus. Als deren Länder Ende des 4.
Jahrhunderts von den Hunnen überrannt wurden, begann eine allgemeine
Völkerwanderung, in deren Folge die Germanen das weströmische Reich
beendeten. Im Süden Europas (Ostgoten 493-553 in Italien, von 412-711
die Westgoten in Südgallien und Spanien, in Oberitalien von 568-774 die
Langobarden) und in Nordafrika (Wandalen, 429-534) wurden einige meist
unbeständiger Königreiche begründet, als haltbar erwies sich im Norden
das Frankenreich, aus dem später Frankreich und Deutschland
hervorgingen.

Wo hab ich die Karte
her, wen es wer weiß, bitte melden ??
Religion
Über die
Religion der germanischen Stämme gibt es wenig schriftliche Quellen, der
Glauben dürfte mündlich überliefert worden sein; das Vorhandene lässt
auf einen von Stamm zu Stamm recht verschieden geübten Kult schließen,
wobei die wärmespendene Sonne ebenso im Zentrum der Verehrung stand wie
die Fruchtbarkeit, außerdem ein vielfältiges Jenseits angenommen wird,
das von Seherinnen erforscht wird.
Als in früher Zeit höchster Gott gilt der Himmelsgott Tiwaz, der in der
aus Island überlieferten Edda Tyr hieß. Ihn löste Wodan (nord. Odin) ab,
in seiner Verehrung fast noch übertroffen von Donar (nord. Thor), der
als Freund der Menschen gegen feindliche Riesen kämpft. Hoch geschätzt
waren die weiblichen Gottheiten, die Gattin des höchsten Gottes (Frigg)
und Göttin der Liebe (Freya) waren, die Muttergottheit wurde unter
vielen Namen verehrt (z. B. Nerthus, Berchta, Hulda), oft auch in
Dreiheit.
Besondere Kultstätten waren Fositesland (Helgoland) und die Irminsul,
die bei den Externsteine gewesen sein soll.
Entscheidend
für das Vordringen des Christentums in Germanien wurde die Taufe des
Frankenkönigs Chlodwig im Jahr 496, kaum hundert Jahre, nachdem
Theodosius I. diese bereits 380 in Rom angenommen hatte. Die „Bekehrung”
der Sachsen durch Karl d. Gr. wurde zum besonders unrühmlichen Kapitel
dieser Mission, als Karl tausende Sachsen hinrichten ließ („Karl der
Sachsenschlächter”).
Bekannte
christliche Missionare der Germanen sind Willibrord, Bonifatius und
Liudger.
Einer
sagenhaften Überlieferung zufolge wuchsen die Sachsen einst samt ihrem
König Aschanes (Ascanius) nahe einem Springbrünnlein aus einem
Harzfelsen heraus. Der Name der Germanen soll nach AVENTIIN in diese
Sine von lat. germinare, auswachsen, abzuleiten sein. (GRIMM, Nr. 408)
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Während die Stämme Galliens in Verhältnissen lebten, die denen
"zivilisierter" Länder rund um das Mittelmeer nicht unähnlich waren,
erschien Germanien einem Römer wohl als ödes Entwicklungsland. Es gab
keine Städte, nur Dörfer
und Gehöfte; Landwirtschaft und Handwerk hatten
einen niedrigen Standard. Chaotisch gar schien das Herrschaftsprinzip:
Wer als Heerführer Erfolg hatte, dem schloss man sich an. So bildeten
sich immer wieder neue kriegerische Gruppen und Verbände. Gab der Boden
nichts mehr her, zog man weiter. Alles in allem also dürfte Germanien
einem auf reiche Beute erpichten römischen Feldherrn wenig attraktiv
erschienen sein.
Als Caesar 44 v. Chr. einem Attentat
zum Opfer fiel, so berichtete der Dichter Vergil (70–19 v. Chr.),
verhießen Erdbeben und andere Zeichen in Germanien dem Imperium nicht
Gutes. Und tatsächlich folgte dem Tod des Tyrannen der Bürgerkrieg und
dem Bürgerkrieg das Ende der Republik. Caesars siegreicher Adoptivsohn
Octavian, bald Augustus genannt – zu Deutsch "der Erhabene" –,
etablierte das Kaisertum und versprach dafür ein goldenes Zeitalter des
Friedens. Dies sei erreicht, so ließ er es von dem Dichter Horaz in
Versform verkünden, sobald Land und Meer Rom zu Füßen lägen. Mit anderen
Worten: Frieden war Chefsache und militärische Siege ein Prüfstein, ob
die Götter Kaiser und Reich ihre Gunst gewähren würden.
Augustus machte bald ernst und
schickte seine Soldaten aus. Überallhin. In Britannien lockten Zinn- und
Goldvorkommen, in Arabien der Weihrauchhandel. Leichte Beute waren diese
Länder nicht, die Kelten der Britischen Inseln erwiesen sich als zähe
Gegner, im Orient rafften Wassermangel und Krankheiten die Legionäre
dahin. Dennoch konnte kein römischer Herrscher bis dahin einen
vergleichbaren Gebietsgewinn verbuchen. Dem Imperium fielen Nordspanien,
Ägypten, Äthiopien, Zentral- sowie Nordanatolien zu. Fehlte nur
Germanien.
Eine Gelegenheit fand sich 16 v. Chr.
Usipeter und Tenkterer übten späte Rache für Caesars Strafexpeditionen –
sie vernichteten am Niederrhein einen ganzen Heeresverband. Rom war
brüskiert, sah seine Grenze gefährdet. Augustus brach nach Gallien auf,
ließ das Straßennetz ausbauen und verlegte sechs Legionen – ein Fünftel
des gesamten römischen Heeres – an den Rhein. Im Folgejahr führten seine
Stiefsöhne Drusus und Tiberius ihre Truppen in das Nordalpengebiet und
in den Donauraum. Dort "zähmten sie Stämme, die durch die Lage ihrer
Wohnsitze sehr gut geschützt, schwer zu erreichen, von großer Zahl und
grimmig in ihrer Wildheit waren". Überflüssig zu erwähnen, dass "deren
Blut in Strömen floss". Doch mit der 9 v. Chr. abgeschlossenen Eroberung
Pannoniens, das Teile der heutigen Staaten Österreich, Ungarn, Kroatien,
Serbien und Slowenien umfasste, sicherten die Stiefbrüder auch Roms
Gebiete gegen Einfälle der Germanen. Bilder
von
http://www.jadu.de/mittelalter/germanen/index.html
2. Teil: Warum es den Römern nicht gelang, das kulturell völlig
andersartige Germanien in ihr Imperium einzugliedern
An der Westfront bereitete Drusus die Invasion Germaniens vor.
Legionslager wie Nijmegen, Xanten, Neuss und Köln (heutige Namen) wurden
aus dem Boden gestampft, Ausgangsbasis für die Truppenbewegungen ins
Landesinnere. Pioniere hoben zwischen Rhein und Zuidersee (heute
Ijsselmeer) einen Kanal aus, um Versorgungsschiffe schnell in die
Nordsee und dann die Weser aufwärts zu bringen.
Offenbar ließ Augustus in zwei
Richtungen vorstoßen: An der Lippe und dann am Südrand des heutigen
Teutoburger Waldes sowie von Mainz kommend durch die Westhessische Senke
in Richtung des heutigen Hannoversch Münden. Diese Strategie bezeugen
zahlreiche von Archäologen entdeckte Utensilien wie Münzen und
Schmuckstücke, des Weiteren die Ruinen militärischer Anlagen an den
Marschrouten. Die Römer legten Häfen an und bauten Brücken.
Der damals dreißigjährige Drusus
erreichte 9 v. Chr. die Elbe und beendete seinen Feldzug, stürzte aber
beim Rückmarsch vom Pferd und verletzte sich lebensgefährlich. Sein
Bruder Tiberius eilte sofort von Pannonien nach Germanien, kam aber zu
spät. Er vollendete Drusus’ Werk im Jahr darauf, brach die letzten
Widerstände, vertrieb feindlich gesinnte Stämme nach Osten und siedelte
Verbündete im Westen an. "Er bezwang dieses Land, sodass er es beinahe
in eine regelrechte tributpflichtige Provinz verwandelte", schrieb der
römische Historiker Publius Cornelius Tacitus (55–115).
Lange Zeit waren Althistoriker
allerdings der Meinung, dass all diese durch antike Quellen belegten
Expeditionen vor allem Übergriffe der Germanen auf das Reichsgebiet
verhindern sollten. Angriff ist bekanntlich die beste Verteidigung, für
römische Feldherren allemal. Inzwischen häufen sich aber die Belege,
dass Augustus tatsächlich mehr im Sinn hatte. Den Status einer Provinz
erreichte das rechtsrheinische Germanien allerdings wohl wirklich nur
beinahe.
Kein Wunder: Wie sollte sich ein
Gebiet in das Imperium eingliedern lassen, dessen Kultur so grundlegend
anders war? Gallien zu romanisieren war ungleich leichter gewesen, denn
dort existierten um die Zeitenwende bereits Städte und eine entwickelte
Infrastruktur. Sogar die Religionen von Galliern und Römern waren
kompatibel. Ohne große Reibungsverluste machte die ursprüngliche Kultur
bald jener der Besatzer Platz. Neue Kultzentren entstanden, das
wichtigste davon im heutigen Lyon. Dort versammelten sich die Anführer
der sechzig gallischen Stämme, um dem römischen Kaiser ihre Loyalität in
einem Ritual zu bekunden.
Etwas Vergleichbares sollte auch im
heutigen Köln für den germanischen Raum entstehen, ein Verwaltungs- und
Kultzentrum in der "Hauptstadt" der Ubier. Die Priester wurden aus der
germanischen Oberschicht gewählt. Dieser war die zeitgenössische
gallische Kultur durch Raubzüge, Militärbündnisse oder Eheschließungen
mit Angehörigen des gallischen Adels durchaus bekannt. Archäologischer
Beweis: Mancher Stammesführer östlich des Rheins ließ sich nach Art der
Gallier mit Statusobjekten wie Langschwertern und Sporen bestatten.
Diese Gesellschaftsschicht war für
Integrationsversuche prädestiniert. Wie in Gallien mussten ihre Familien
nach der Eroberung Geiseln stellen – im Allgemeinen Söhne, die dann von
Römern unterrichtet wurden – und Hilfstruppen unter eigenem Kommando.
Die Mehrheit der Bevölkerung tat sich aber deutlich schwerer mit der
Lebensweise der Besatzer. Und umgekehrt. Allein schon ihre Bereitschaft,
ein Gehöft oder Dorf zu verlassen und sich andernorts niederzulassen,
passte nicht in das Konzept einer wohl organisierten Provinzverwaltung.
Die Römer versuchten es dennoch mit
ihrem in anderen Ländern bewährten Konzept: Integration durch
Entwicklungshilfe. Sie "gründeten Städte, und die Barbaren passten sich
der Ordnung an, gewöhnten sich an Märkte und trafen sich in friedlicher
Versammlung". Der römische Politiker und Schriftsteller Cassius Dio
(155–235) beschrieb damit Projekte wie die beim heutigen
Lahnau-Waldgirmes in Hessen entdeckte römisch-germanische Stadt. Was
Archäologen zunächst für ein Truppenlager hielten – wofür Wall,
Torgebäude und doppelte Gräben sprachen –, entpuppte sich als eine
Siedlung mit Wirtschafts-, Kult- und Verwaltungsbauten, in der über
Jahre hinweg Germanen und Römer friedlich zusammengelebt hatten.
Doch solche Keimzellen urbaner Kultur
genügten wohl ebenso wenig wie die Einführung der Geldwirtschaft, um die
römische Lebensweise zu etablieren. Viele Germanen blieben offenbar
skeptisch, Konflikte erforderten immer wieder Waffengewalt. Die
Besiegten wurden getötet und – geschoren. Das helle Haar der Sugambrer
beispielsweise schätzten wohlhabende Römerinnen. Spottend legte Ovid
ihnen den Vers in den Mund: "Für gekaufte Ware werde ich jetzt gelobt –
statt meiner rühmt er eine Sugambrerin!"
Angesichts der unsicheren Lage setzte
der Kaiser weiterhin auf die Vertreibung der Gegner nach Osten. Damit
konstituierte er allerdings auch gefährliche Gegner wie das Reich der
Markomannen. Von Drusus besiegt, zog der größte Teil dieses Stammes 9 v.
Chr. in das Gebiet des heutigen Böhmen. Einer ihrer Anführer namens
Marbod, der einige Jahre als Geisel des römischen Kaisers in der
Tiberstadt gelebt hatte, baute ein gewaltiges Heer auf und vernetzte
sich mit anderen Kriegsherren, sodass sein Einfluss weit über Böhmen
hinausreichte. Ein Affront gegen Rom: Er gewährte dessen Gegnern
Unterschlupf.
Augustus nahm Marbod sehr ernst und
ließ 6 n. Chr. alle Streitkräfte vom Rhein und den kürzlich eroberten
Gebieten südlich der Donau zusammenziehen – mehr als zwölf Legionen,
also etwa 66.000 Mann (Genaueres zu den Einheiten, insbesondere auch zu
Hilfstruppen ist leider nicht bekannt). Sie sollten die Markomannen von
Westen und Süden gleichzeitig angreifen. Doch mitten im Aufmarsch
revoltierte das unterworfen geglaubte Pannonien und band alle römischen
Kräfte. Marbod hatte Glück und verhielt sich vorerst ruhig.
3. Teil: Wie Arminius die Gunst der Stunde nutzte, um eine Allianz
gegen
die Römer zu schmieden und seinen Widersacher Varus vernichtend zu
schlagen
Die Feuer der Rebellion loderten so gewaltig, dass Veteranen
einberufen, Sklaven bewaffnet und fremde Kontingente verpflichtet
wurden. Für den Germanen Arminius, Mitglied einer hochgestellten Familie
der Cherusker, bot sich hier eine Karrierechance. Mit seinen Kriegern
leistete er den Römern Waffenhilfe in Pannonien. Dafür verlieh der
Kaiser dem Germanen das römische Bürgerrecht und erhob ihn in den
Ritterstand. Im Rang eines Präfekten leitete er Einheiten cheruskischer
Krieger. Er lernte Latein und wurde mit der römischen Kriegsführung
vertraut gemacht.
Während sich Pannonien gegen das
Reich erhob, blieb Germanien überraschend ruhig. Im Jahr 7 n. Chr. hatte
dort der Feldherr und Statthalter Publius Quinctilius Varus sein Amt
angetreten. Antiken Autoren zufolge war er ein lasterhafter Mensch und
schlechter Verwalter, zudem ein unfähiger Militär: Drei Legionen samt
Hilfstruppen und Tross soll er 9 n. Chr. im Teutoburger Wald in die
Katastrophe geführt haben. Doch davon ist wenig wahr.
Varus hatte sich vielmehr wiederholt
bewährt: als Begleiter des Kaisers bei Staatsgeschäften im Osten des
Imperiums, als Konsul, als Statthalter der Provinz Syrien und als
Legionskommandeur im aufrührerischen Judäa. Dennoch unterlief dem
erfahrenen Offizier ein Fehler. Auslöser des germanischen Aufstands war,
den Quellen zufolge, sein Vorhaben, Steuern zu erheben. Doch über kurz
oder lang erwartete Rom von einer Provinz nun einmal Einnahmen und
immerhin hatte sich Germanien nicht vom Aufruhr in Pannonien anstecken
lassen. Die Lage schien stabil, die Bevölkerung weit gehend angepasst.
Nun aber betrat Arminius die Szene,
und dessen Ambitionen hatte Varus nicht auf der Rechnung. Zurück von der
Front, unterstellte sich der Cherusker mit seinen Kriegern dem Befehl
des Statthalters. Als Mitglied des Ritterstands wäre es nun seine
Aufgabe gewesen, die Steuern einzutreiben. Stattdessen knüpfte er eine
Allianz gegen Rom. Anführer der germanischen Kriegerverbände waren auf
Siege und Beute angewiesen, um ihre Männer bei der Stange zu halten –
Arminius stellte sicherlich beides in Aussicht. Mit der Lüge, es drohe
ein Aufstand, lockte er Varus samt etwa 20.000 Soldaten in eine Falle.
Nahe dem heutigen Kalkriese, so die
Ansicht der meisten Fachleute, lauerten die germanischen Verbände ihnen
auf. Mit einem Wall nach römischer Bauart hatten sie den schmalen Weg
zwischen einer Anhöhe und einem Moor weiter verengt. Auf dem vom Regen
durchweichten Boden kam der Tross nur mühsam voran. Die Römer wurden in
Guerillamanier innerhalb weniger Tage aufgerieben.
Eine befriedet geglaubte Provinz war
damit der Steuerung entzogen, ihr Kontrollorgan – die Rheinarmee –
dezimiert, Roms Stellvertreter gefallen. Und das durch die Hand
verbündeter Hilfstruppen. Kaiser Augustus, bereits 72 Jahre alt, befahl
den sofortigen Rückzug hinter den Rhein. Waldgirmes und sicher noch
andere Stadtprojekte dieser Art wurden aufgegeben, der linksrheinische
Rest der germanischen Eroberung der gallischen Provinz Belgica
zugeschlagen. Um sein Image als siegreicher Kaiser zu erhalten, wälzte
Augustus die Schuld auf den glücklosen Statthalter ab. Das Gemetzel im
Teutoburger Wald geriet zur Clades Variana – zur Varusschlacht.
Fortan war Schluss mit Integration.
Tiberius und sein Adoptivsohn Germanicus durchstreiften zwischen 10 und
16 n. Chr. mit ihren Truppen die Gebiete östlich des Rheins – ohne
nachhaltigen Erfolg. Das Land war für die Römer nicht mehr
kontrollierbar. Germanicus suchte bei solcher Gelegenheit mit seinen
Soldaten den Ort der Clades Variana und ließ dort die Toten bestatten.
Diese Information antiker Quellen liefert Archäologen ein wichtiges
Indiz dafür, den Fundort Kalkriese mit dem Schlachtfeld gleichzusetzen:
Dort ausgegrabene Skelettreste hatten offenbar längere Zeit auf der
Erdoberfläche gelegen, bis sie in Sammelgräbern beigesetzt worden waren.
Trotz dieses Sieges konnte Arminius
aus seiner Revolte keinen Profit schlagen. Er hatte Marbod den Kopf des
Varus schicken lassen – der aber sandte das Haupt weiter zu Augustus.
Bald verfolgten Arminius’ Verbündete eigene Ziele; die große Schlacht
war keineswegs Ausdruck eines nationalen Befreiungskampfes. Eine
gemeinsame germanische Identität sucht man jenseits der Rivalitäten der
Stämme und Familien vergeblich. Der Zwist machte nicht einmal vor
Arminius’ Familie halt: Sein Schwiegervater Segestes schlug sich auf die
Seite der Römer. Germanicus gewährte ihm samt seiner Tochter Thusnelda,
Arminius’ Ehefrau, Schutz – ein Prestigegewinn.
Arminius attackierte in den nächsten
Jahren seinen Rivalen Marbod, worauf dieser nach Italien floh. Im Exil
von Ravenna überlebte er immerhin seinen Gegner. Der Verwandtschaft
inzwischen zu mächtig, wurde der Cherusker 21 n. Chr. ermordet.
Augustus hatte, noch bevor er 14 n.
Chr. starb, selbstbewusst verkünden lassen: "Ich habe Germanien
befriedet!" Doch er hinterließ seinem Nachfolger Tiberius eine schwere
Hypothek. Verlustreiche Siege wechselten mit katastrophalen Niederlagen
ab. "Genug der Erfolge, genug der Unglücksfälle", resignierte der neue
Kaiser schließlich gegen den Widerstand des Germanicus. Die römischen
Truppen bezogen wieder Stellung hinter Rhein und Donau.
Wenn Germanien auch gern als
bezwungen erklärt wurde – der Traum von einer Provinz zwischen Rhein und
Elbe war ausgeträumt. Geblieben waren zwei Heeresbezirke, in denen ein
Viertel der gesamten römischen Armee stationiert war; Kaiser Domitian
(regierte 81–96) wandelte sie in die beiden Provinzen Germania Superior
und Germania Inferior um. Doch erst unter Kaiser Hadrian (117–138) gab
Rom seine Expansionspläne endgültig auf und setzte auf Grenzsicherung.
Statt die fremdartige Welt der Germanen erobern und verändern zu wollen,
sperrte das Reich sie fortan aus: hinter die Wehrtürme, Palisaden und
Kastelle des Limes.
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